UPM-Speditionstag: Wie sieht die Zukunft des Holztransports aus?

09. Oktober 2018
Quelle:
IHB MK
Besucher:
769
  • text size

UPM SpeditionstagMit über 700 Teilnehmern fand am Samstag, 6. Oktober in Augsburg zum vierten Mal der UPM Speditionstag statt. Erstmals wurden neben Geschäftsführern auch Fahrer zu der Veranstaltung eingeladen. Deshalb musste wegen der großen Teilnehmerzahl die Veranstaltung vom UPM-Werksgelände auf das ADAC-Testgelände verlegt werden. Dort konnten die Besucher verschiedene neue LKW-Modelle testen und sich über Neuheiten für Rundholz- und Papiertransport informieren.

Ein Zweck des Speditionstages war unter anderem die Bindung der Fuhrunternehmen an UPM. Erst im August fand deshalb in Plattling ein ‚Tag des LKW-Fahrers‘ statt. Wie die ganze Branche ist man auch hier mit dem Problem des Fahrermangels und damit Engpässen bei der Holzabfuhr konfrontiert. Um dieses Thema kreiste auch ein Großteil des Vortragsprogramms mit den Kernfragen ‚Wie finde ich Fahrer?‘, ‚Wie wird der Fuhrlohn ermittelt?‘ und ‚Wie vermeide ich Überladung?‘. In weiteren Vorträgen wurden die Logistiksoftware LogForce von Trimble sowie das WASP-Logistiksystem mit der Navigation von Logiball vorgestellt.

Attraktive Entlohnungsmodelle

Astrid Weihmann, Unternehmensberaterin aus Berlin, zeigte Möglichkeiten für ein nettowirksames und motivierendes Vergütungsmanagement auf, also Möglichkeiten zur Bezahlung von Fahrern abseits des Regellohns. Dazu gehören Sachleistungen oder Beihilfen zu Lebenshaltungskosten. Konkrete Beispiele sind die Zurverfügungstellung eines Mobiltelefons oder Beihilfen zu Kosten für Telefon Tanken, Internet oder Einkaufen. Alle diese Zahlungen sind netto wirksam und erhöhen substantiell das verfügbare Einkommen des Arbeitnehmers, erläuterte Weihmann.

Der Fuhrmann ermittelt den Frachtsatz

Marco Burkhardt, Geschäftsführer der Bundesvereinigung des Holztransport-Gewerbes (BdHG), zeichnete ein eher düsteres Bild der aktuellen Situation im Holztransportgewerbe. Die Umsatzrendite liegt bei 3-5%, ein Drittel der Kosten macht Diesel aus, ein weiteres Drittel Personalkosten. Diese werden aufgrund des um sich greifenden Fahrermangels steigen. Es gibt aber kaum noch Unternehmen die überhaupt Fahrer bekommen. Eine Folge sind Anwerbemaßnahmen für ausländische Arbeitskräfte. Burkhardt berichtete von Unternehmern, die Häuser für Fahrer aus Osteuropa bauen, und Sprachkurse anbieten, um die Fahrer langfristig zu binden.

Für die Unternehmen wird es nicht leichter werden. So ist eine CO2-Maut in Arbeit, neben der Straßenmaut, die ohnehin zu bezahlen ist. Zwei Drittel der Unternehmer ist über 50 Jahre alt, nur 10% 30-39 Jahre. Die Branche hat ein Nachwuchsproblem. Angesichts der unattraktiven Arbeitszeiten, 5 Tage fahren, 1 Tag schrauben, 1 Tag Rechnungen schreiben, winken viele potenzielle Nachfolger dankend ab. 54% aller Fahrer sind über 45 Jahre alt, so dass Wechselaktivitäten in andere Branchen zunehmen. Denn das ausschlaggebende Kriterium für den Fahrer ist sein Verdienst, nichts anderes, so Burkhardt.

Brennendstes Thema für die Holzfuhrunternehmen ist die zulässige Zuladung und damit die Überladung. Hier herrsche eine sehr unterschiedliche Kontrolldichte je nach Bundesland. In den östlichen Bundesländern werde offenbar kaum kontrolliert, sagte Burkhardt. Unklar sei, ob dies auf Personalmangel oder politischen Willen zurückzuführen sei. Immer wieder wird ein generelles zulässiges Gesamtgewicht von 44 Tonnen gefordert, nicht nur in der Holzbranche. Deshalb hat eine industrieübergreifende Initiative ein Positionspapier mit der Forderung nach 44 Tonnen bei der Bundesregierung eingereicht. Ein uneinheitlicher Wirrwarr herrscht bei den Ausnahmegenehmigungen für Langholztransporte, die in jedem Bundesland anders geregelt sind, und den Fuhrleuten so die Arbeit erschweren. Und zu guter Letzt muss auch noch das Arbeitsschutzgesetz mit Lenk- und Ruhezeiten beachtet werden.

„Um sinnvolle Frachtsätze zu errechnen, ist die absolute Kenntnis der Kosten nötig!“, mahnt Burkhardt. Da dies oft nicht der Fall ist, leiden viele Unternehmen an einer sehr schwachen Finanzdecke. „Mit dem Fuhrlohn wird nur die Straßenfahrt bezahlt“, so Burkhardt weiter, „keine langen Wartezeiten, keine Waldfahrten, keine Suche nach Holzpoltern!“ In diesem Zusammenhang kritisierte Burkhardt die übliche Praxis der Sägeindustrie, Frachtzonen und -sätze für die Fuhrunternehmen festzulegen: „Die Sägeindustrie hat offenbar nicht erkannt, dass ihre Rohstoffversorgung vom Holztransport abhängt.“ Diese Rohstoffversorgung sei derzeit in Gefahr, erklärte Burkhardt abschließend und machte klar: Der einzige, der die Kompetenz hat, Frachtsätze zu ermitteln, ist der Fuhrunternehmer.

Abschöpfung bei Überladung

Und so gerieten die Auftraggeber auch im nächsten Vortrag ins Visier der Fuhrleute. Michael Heck vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg stellte Aktuelles zur Vermögensabschöpfung bei Überladung vor. Dabei gilt, dass der gesamte Fuhrlohn eingezogen wird, wenn bei einer Kontrolle eine Überladung festgestellt wird. Lediglich bei Fahrlässigkeit können Abzüge gewährt werden. Dabei handle es sich nicht um ein Bußgeldverfahren, sondern um einen reinen Ausgleich zu Unrecht erworbenen Vermögens. Dabei stehen die Fuhrleute allein in der Verantwortung. Deshalb kam die Frage aus dem Publikum, ob eine Abschöpfung auch beim Empfänger des Holzes möglich sei. Schließlich habe auch dieser Vorteile aus der Überladung, beispielsweise geringere Abwicklungskosten, da für die gleiche Menge Holz weniger LKWs ins Werk kommen. Heck machte klar, dass bei jedem abgeschöpft werden kann, der einen Vorteil aus der Überladung zieht. Dieser Vorteil müsse allerdings nachgewiesen werden, und da liege im Sägewerk die Schwierigkeit.

Grundsätzlich richtet sich die Höhe der Abschöpfung nach dem tatsächlich empfangenen Fuhrlohn. Liegt dieser nicht vor, wird nach KGS-Tabelle geschätzt, was für den Fuhrmann in der Regel deutlich ungünstiger ist. Heck empfahl den Einsatz von Kranwaagen oder Druckluftfederungen mit Messeinrichtung, um Überladungen zu vermeiden. Damit stieß er auf wenig Gegenliebe, denn die Kosten für diese Einrichtungen tragen die Fuhrleute allein. Zum anderen, so die Kritik aus dem Publikum, seien die von Forst oder Sägewerken vorgegebenen Frachtsätze oft schlicht unrealistisch und drängen die Fuhrleute geradezu zur Überladung.