Interforst: Neues aus der Seilkrantechnik

10. August 2018
Quelle:
IHB MK
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Interforst SeilkrantechnikEigentlich ist ja die Austrofoma das Mekka der Seilkrananlagen. Insofern war in dieser Hinsicht die Erwartung zur Interforst nicht besonders groß. Überraschenderweise waren aber doch einige neue Anlagen am Start, und vor allem bei den Laufwagen gab es eine unvorhergesehene Vielfalt an Neuheiten. Gemeinsamer Trend bei Anlagen und Laufwagen ist die Elektrifizierung und die Energierückgewinnung im Sinne einer Effizienzsteigerung und Kraftstoffeinsparung.

 

Teil 1: Seilanlagen

Koller bringt Teleskopmast und Hybrid-Yarder

Koller 507S507 S mit Teleskopmast

Die Kippmastanlage 507 von Koller ist eigentlich bekannt. Auf der Interforst wurde aber neu die Version 507 S mit Teleskopmast vorgestellt. Durch ihn kann der Mastkopf mit drei verschiedenen Arbeitshöhen, 11,40m, 14,70m und in der Mittelposition bei etwa 13,00m betrieben werden, um unterschiedlichen Geländeanforderungen gerecht zu werden. Das seilgerät ist auch als Raupenmontage erhältlich und wurde speziell für Weichböden in dieser Form nach Russland geliefert. Und auch eine Montage auf einem Hänger mit elektrischen Seilwinden wurde bereits realisiert.

Koller KX800Baggerbasierter Hochleistungs-Hybrid-Yarder KX800e

Als einen von zwei Yardern auf der Interforst hat Koller den baggerbasierten Yarder KX800e vorgestellt. Die 50t schwere Maschine hat vollelektrische Winden, die als Generator arbeiten, wenn sie passiv gedreht werden. Als Energiespeicher dienen Hochleistungskondensatoren, sogenannte Super Caps. Durch die Energierückgewinnung steht während der Ladtfahrt ein Mehrfaches an Energie der reinen Baggerleistung zur Verfügung. Der Yarder hat zwei Winden, eine davon mit einem Fach, die anderen mit zwei Fächern. Der Windenkasten wurde auf das Heck eine Hyundai-Raupenbaggers HX 330 montiert. Dieser leitet 212 kW. Der auf dem Baggerarm angebrachte Mast hat eine Arbeitshöhe von 10m.

Koller KX800Der KX800e ist für die Betriebsarten Standing Skyline (mit stehendem Tragseil), Running Skyline (mit absenkbarem Tragseil) und Life Skyline (Rückholseil = Tragseil) ausgerichtet, zwischen denen schnell gewechselt werden kann. Die Seile werden durch die Generatorkraft der Winden gespannt, je nach Betriebsart mit 6,3 bis 10 Tonnen Zugkraft. Optimiert ist der Yarder für den Running Skyline Betrieb, bei dem die beiden Winden elektrisch gekoppelt sind und so eine hohe Energierückgewinnung ermöglichen. Zudem fasst die Hauptwinde in dieser Betriebsart bis zu 1350m Trag-/Rückholzseil.

Der Yarder benötigt generell keine Abspannseile. Lediglich im Standing Skyline Verfahren werden unter Umständen zwei Abspannseile am Mast empfohlen.

 

Konrad Kombi-Yarder 2500: Seilen und Aufarbeiten gleichzeitig

Konrad Combi-Yarder 2500Seilen und Aufarbeiten mit einer Maschine, das war das Ziel der Entwicklung des Kombi-Yarders 2500 der Firma Konrad. Er basiert auf einem Liebherr Raupenbagger R914 Comp. mit 90 kW Leistung. Der 10m hohe Seilmast trägt alle Winden und ist am Heck des Unterwagens angebracht. So kann der Oberwagen frei schwenken und das angeseilte Rundholz aufarbeiten. Wird der Mast nicht benötigt, kann er abgenommen werden. Der Mast ist zweimal faltbar und liegt im Transportzustand auf dem Oberwagen. Maximale Trassenlänge des Yarders sind 500m, die Nutzlast beträgt 2t. Mit größeren Baggern sind auch höhere Nutzlasten realisierbar.

Konzipiert wurde die Maschine für Japan, wo auch bereits zwei verkauft wurden. Im Gegensatz zu einem Gebirgsharvester wie dem Mounty braucht der Kombi-Yarder keine Waldstraße als Stellplatz, sondern nur eine ebene Fläche. Sie also für Gebiete mit geringer Erschließung optimiert. Das auf der Interforst ausgestellt Exemplar wurde als erste Maschine in Europa in die Schweiz verkauft.

 

TST Junior KWF-geprüft

TST JuniorEr ist zwar an sich nicht neu, wurde aber vor der Interforst vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) mit dem Gebrauchswertzeichen „KWF Profi“ ausgezeichnet: Der TST Junior von der TST Seilgeräte Tröstl GmbH. Der kleine mobile Seilkran wird an der Dreipunktaufhängung von Schleppern mit mindestens 100 PS über die Zapfwelle betrieben. Der 9,5 m hohe Kippmast wird während der Fahrt waagerecht nach vorn abgekippt.

In der 2-Tonnen-Version hat der Junior 500m Tragseil, 1000m Zugseil und 900 m Rückholseil. In der 3-Tonnen-Version sind es 450m Tragseil und jeweils 800m Zug- und Rückholseil.

 

Teil 2: Laufwagen

ECKO - Drei elektrische Laufwagen von Koller

Koller ECKOAuf der Austrofoma 2015 hieß er noch ESK 2,0 und war ein leerer Kasten, nicht mehr als eine Idee. Jetzt zur Interforst hat Koller seinen elektrischen Laufwagen unter dem Namen ECKO in den Varianten UP, FLEX und BOOST vorgestellt. Der UP ist für die reine Bergaufseilung und wiegt 450 kg, der „FLEX ist der Universallaufwagen für die Bergab- und Bergaufseilung von normalstarkem Holz. Er wiegt 550 kg. Und der BOOST wurde speziell für die Seilarbeit im Starkholz konstruiert und und hat deshalb vier statt zwei Laufrollen.

Der ECKO FLEX hat eine Nutzlast von 2000 kg. Er spult das Lastseil per Elektromotor aus. Der bezieht seinen Strom aus Hochleistungskondensatoren, die während der Fahrt des Laufwagens und beim Leerhub des Lastseils. Eine bestimmte Seilstrecke zur Aufladung resultiert in der vierfachen Seillänge, die ausgespult werden kann.

Ein Vorabsenkfunktion kurz vor Erreichen des Abladeplatzes spart zum einen Zeit, zum anderen werden die Stämme immer entlang der Seilachse abgelegt.

 

Schilter mit Prototyp für elektrischen Laufwagen

Schilter SE4000Der Schweizer Seilbahnspezialist Schilter hat auf der Interforst den Prototyp des Laufwagens SE 4000 mit Elektroausspuler vorgestellt. Der Laufwagen ist für 2- und 3-Seilbetrieb und für Langstrecken- und Kippmastgeräte geeignet. Er wiegt 725 kg, hat eine Ausspulkraft von 1000 kg und eine Nutzlast von 4000 kg. Durch das spezielle Antriebssystem, zu dem der Hersteller allerdings keine näheren Angaben macht, wird ein Seilverschleiß beim Ausspulen vermieden.

Wie die Koller-Laufwägen hat auch der Schilter SE 4000 eine Vorabsenkfunktion, die Zeit spart und die Stämme sicher ablegt.

Als Stromspeicher für Zugseilspulung dienen ebenfalls wie bei Koller Superkondensatoren, die beim Einziehen des Leerseils, beim Absenken der Last und beim Fahren geladen werden. Sie ermöglichen eine praktisch unbegrenzte Zyklenzahl.

Bei Langstreckenanlagen steht die Seilwinde oft nicht am Holzablageplatz. Sie ist deshalb für mannlosen Betrieb konzipiert und steht mit dem Laufwagen in Funkkontakt. Personal wird also nur im Bestand und am Holzabladeplatz benötigt. Ab dem Herbst 2018 soll der Laufwagen in den Testbetrieb am Seil gehen, einen Termin für die Serienreife gibt es noch nicht.

Schilter FunkchokerPassend zum Laufwagen hat Schilter einen Funkchoker entwickelt. Mit dem Sender lassen sich bis zu 10 Choker bedienen. Er zeigt die vorhandenen Choker und deren Batteriezustände an und hat eine Suchfunktion für verloren Choker. Der 1,4 kg schwere Choker selbst löst sich aus Sicherheitsgründen nur, wenn die anhängende Last ein Maximum nicht überschreitet, der Choker also quasi lastfrei ist. Er lässt sich zudem ohne Werkzeug oder Sender entriegeln.

Schilter Raupe SR 4000Und schließlich hat Schilter seine Raupenzugmaschine SR 4000 neu vorgestellt. Eigentlich für Montagearbeiten für Seilbahnen entwickelt, ist die Raupe ebenso als Traktionswinde für leichte Rückegeräte oder selbst als Rückegerät einsetzbar. Die Raupe wiegt 1075 kg, hat eine Zugkraft von 4t und fasst 450 m Seil bei 11 mm Seilstärke.

 

Mayr Melnhof MM Sherpa UE – der elektrische Sherpa

MM Sherpa UESeilkranfachleuten ist der Sherpa von Mayr Melnhof Forsttechnik ein Begriff. Zur Interforst hat Mayr Melnhof die elektrische Version, den MM-Sherpa UE, vorgestellt. Er spult das Zugseil im 2-Seilbetrieb elektrisch aus, im 3-Seilbetrieb mit Unterstützung des Hilfsseils. Beim Lastzuzug lädt der Elektromotor als Generator die Akkus. Die Ausspullänge ist nur durch die Länge des Zugseils begrenzt

Der MM-Sherpa UE ist mit den Nutzlast-Tonnagen 3, 4 und 4XL erhältlich und wiegt je nach Nutzlast 490, 580 oder 770 kg.

 

Seik Nachläufer ST 30 NL

Seik ST30NLAuf der Holzmesse Klagenfurt 2016 hat der Südtiroler Hersteller Seik seinen damals neuen Laufwagen Skytiger ST 30 vorgestellt. Er hat eine Hubkraft von 3t und wiegt 700 kg. Jetzt hat Seik den dazugehörigen Nachläufer ST 30 NL vorgestellt. Er ermöglicht den waagerechten Transport der Stämme und vermeidet Bodenkontakt, wie sie beim Head-up-Seilen vorkommen. Dadurch werden bis zu 30% höhere Fahrgeschwindigkeiten erreicht. Vor allem bei langen Seiltrassen lohnt sich der Nachläufer.

 

Groß, größer, Bereuter

Bereuter MLW 4100Einen Laufwagen der Superlative präsentierte die Bereuter Maschinenbau GmbH aus Lingenau in Vorarlberg. Die Seilunternehmer haben keinen passenden Laufwagen am Markt gefunden und sich kurzerhand selbst einen gebaut. Der Motorlaufwagen MLW 4.100 wiegt stolze 1280 kg, was daran liegt, dass er neben einem 74 kW (100 PS) Kubota-Dieselmotor mit 3,8 Liter Hubraum auch noch 135 m Hubseil beherbergt.

Die Unternehmer begründen beides damit, dass oft das Überspannen ganzer Täler notwendig ist. Das bringe große Hubhöhen mit sich, daher das lange Seil, und bedinge hohe Geschwindigkeiten beim Heben und Senken der Last, daher der große Motor.

 

Greifenberg mit neuem Strenx-Laufwagen

Greifenberg Cargo 4.0Nicht ganz so massiv wie der Bereuter-Laufwagen kommt der neue Cargo 4.0-Laufwagen des italienischen Herstellers Greifenberg daher. Er wiegt immerhin 950 kg und hat einen 70 PS 3-Zylinder VM Turbodieselmotor und 160m Seil mit 12mm Stärke an Bord. Seine maximale Fahrgeschwindigkeit ist 14 m/s, die maximale Hubgeschwindigkeit 2 m/s. Er kann im 2- oder 3-Seilsystem betrieben werden und hat eine maximale Nutzlast von 3,6 Tonnen.

Seine Kastenform erlaubt einen Transport auf jeder Ladefläche, der rahmen aus Strenx-Stahl gibt ihm höchste Festigkeit. Der Motor hat eine Zwangsschmierung. Der Laufwagen kann durch zwei nicht gleichzeitig nutzbare Funkfernsteuerungen bedient werden, so dass Bediener an unterschiedlichen Positionen der Seiltrasse die Steuerung übernehmen können. Es ist ein automatikbetrieb möglich.