Holzmarkt und Weltwirtschaft: Dient die Holzwirtschaft als Frühindikator?

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IHB MK
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Henning VöpelAuf dem Außenhandelstag des GD Holz, der am 31. März in Hamburg stattfand, ordnete Prof. Dr. Henning Vöpel vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) die Holzbranche in das aktuelle Weltwirtschaftsgeschehen ein. Er stellte die Frage, ob die Holzwirtschaft als Frühindikator für weltwirtschaftliche Entwicklungen diene könne. Der Holzmarkt hänge wegen seiner Nähe zur Bauwirtschaft von volkswirtschaftlichen Fundamentalgrößen wie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ab. Die derzeitigen Preisanstiege könnten also ein Sondereffekt unter anderem durch die Niedrigzinspolitik der EZB sein, warnte Vöpel.

Die Weltwirtschaft werde unübersichtlicher, so Vöpel weiter. Das weltweite Freihandelsregime der WTO werde zunehmend ersetzt durch ein Geflecht bilateraler Beziehungen. Zweifel äußerte Vöpel an den Plänen des US-Präsidenten Donald Trump. In den USA herrsche mit 4,5% Arbeitslosigkeit quasi Vollbeschäftigung. Gleichzeitig wolle Trump ein Konjunkturprogramm anschieben. Dies könne zu inflationären Tendenzen und höheren Zinsen führen. Exporte würden teurer, das US-Handelsdefizit würde wachsen. Es herrsche eine hohe Rückschlaggefahr des derzeitigen Trump-Effekts.

Zur Eignung der Holzwirtschaft als Frühindikator sagte Vöpel, der Holzpreis sei weniger volatil als der anderer Rohstoffe. Insofern sage er wenig über konjunkturelle Entwicklungen aus, aber als Zulieferer der Bauwirtschaft könnte die Holzwirtschaft durchaus ein Konjunkturindikator sein. Das wurde aus dem Publikum bestätigt. Der Holzpreis bessere sich in der Regel zwei Quartale vor Anspringen der Konjunktur, sagte ein Teilnehmer.

Eine weitere Gefahr sei die zunehmende globale politische Unsicherheit, die sich auf einem neuen strukturellen Niveau eingependelt habe. Anhaltender Krisenmodus sei das „New Normal“. Alle strukturellen Krisen seien ungelöst. Eine neue Eurokrise werde ausschließlich durch die EZB-Geldpolitik verhindert. In solchen Zeiten steige der Herdentrieb bei wirtschaftlichen Entscheidungen. Wer sich zuerst bewegt (auch in möglicherweise ungünstiger Weise), bestimme die Richtung. Die Volatilität und das Risikopotenzial von Blasen nehme zu.

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