Sind Entrindungsköpfe in Mitteleuropa sinnvoll?

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IHB MK
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EntrindungsaggregatDie Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) testen derzeit umgebaute Harvesterköpfe zur sofortigen Entrindung von Stammholz. Joachim Heppelmann von der HSWT ging auf dem Forstlichen Unternehmertag in Freising der Frage nach, ob und inwieweit Entrindungsaggregate wie sie in der Eukalyptusernte eingesetzt werden, auch in Mitteleuropa sinnvoll eingesetzt werden können. Vorteile wären ein Verbleib der Rindennährstoffe im Wald, ein effektiverer Holztransport, denn die Rinde muss nicht mittransportiert werden, Borkenkäferprävention sowie ein geringerer Asche- und Feinstaubgehalt des verbleibenden Holzes.

Es wurden drei Harvesteraggregate verwendet: John Deere H480C, LogMax 7000C und Ponsse H7. Bei allen wurden die äußeren Vorschubwalzen modifiziert, beim John Deere auch die inneren Walzen und das Messrad und beim Ponsse darüber hinaus auch die oberen Entastungsmesser sowie Kopf- und Bodenmesser. Nur die unteren Entastungsmesser blieben beim Ponsse-Aggregat unverändert.

Jedes Aggregat wurde im Sommer und im Winter getestet, das John Deere Aggregat in Niedersachsen, die beiden anderen in Bayern. Im Sommer wurden Entrindungsprozente von 73-87% erreicht, wobei das LogMax Aggregat am schwächsten abschnitt, die beiden anderen lagen fast gleichauf, John Deere 3% vor Ponsse. 2017, der Sommer, in dem die Tests stattfanden war in Bayern ein Käferjahr. Das heißt, die Trennschicht zwischen Holz und Rinde ist trocken, was zu schlechterer Entrindbarkeit führt. Das Ponsse Aggregat war davon praktisch unbeeindruckt. Im Winter erreichte das John Deere Aggregat 54%, das LogMax 35%. Beim Wintertest des Ponsse Aggregats war es schon April, so dass dessen 83% aus der Wertung fallen.

Entrindusngsaggregat Die Entrindung direkt bei der Aufarbeitung kostet etwa 30% mehr Zeit und 20% mehr Kraftstoff, was in Mehrkosten pro Festmeter von 2,50-5,50 € resultiert. Es ist also nur dann sinnvoll einzusetzen, wenn ohnehin eine Entrindung des Holzes geplant ist. Dann dürfte das System günstiger sein als eine stationäre Entrindung am Weg, bei der die Rinde nach der Entrindung ein weiteres Mal manipuliert werden muss. Die Walzen rutschen wegen der geringeren Traktion öfter durch und verursachen tendenziell weniger Verletzungen am Stamm als Stachelwalzen. Die Messer sind aggressiver als üblich eingestellt und verursachen tendenziell mehr Verletzungen. Die Rückung ist direkt nach der Entrindung erschwert, da die Stämme zunächst rutschig und seifig sind. Der Effekt verliert sich nach einigen Tagen, wenn die Stämme trocken sind.

EntrindungsaggregatAuf einer Pressefahrt im Vorfeld der Interforst, die im Juli in München stattfindet, konnte der Ponsse-Kopf in Aktion beobachtet werden. Auch das KWF hat die drei Köpfe getestet. Versuchsleiter Jochen Grünberger erklärte, das System soll insbesondere auf bekannt nährstoffarmen Standorten oder zur Borkenkäferprävention eingesetzt werden, nicht aber als Regelverfahren. Die Frage ist, wie Forstunternehmer den Einsatz eines solchen Entrindungskopfes organisieren. Unwahrscheinlich ist, dass es Unternehmer geben wird, die nur mit einem Entrindungskopf arbeiten. Damit bleiben zwei Varianten: Entweder die Umrüstung eines Standardkopfes, die ungefähr zwei Stunden dauert, oder die Vorhaltung eines zusätzlichen Kopfes, der im Bedarfsfall für die Entrindung eingesetzt wird.

Laut der Studie der HSWT bleiben 14-31% der Nährstoffe im Bestand. Udo Sauter von der FVA Baden-Württemberg merkte auf dem Unternehmertag an, dass das nicht ganz stimmt, denn die Nährstoffe bleiben auf der Rückegasse. Dem widersprach Grünberger. Er sagt, die Entrindung finde rechts und links neben der Gasse, also im Bestand statt. Ein weiterer Faktor sind die Holzkunden, sprich die Sägewerke. In Gesprächen am Rande des Unternehmertags und der Interforst-Fahrt wurde zudem deutlich, dass die Rinde ein –abgesehen von den Transportkosten – kostenloser Rohstoff ist, auf den die Sägewerke ungern verzichten.

Zudem besteht möglicherweise die Gefahr von Mantelverfärbungen oder Fäulen. Um das zu untersuchen werden für die nächsten anderthalb Jahre Versuchspolter eingerichtet, an denen man die Entwicklung entrindeter Hölzer über die Zeit beobachtet.

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