Wirbel um hessische FSC-Zertifizierung

Quelle:
diverse/DeSH/IHB MK
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Vergangene Woche meldeten verschiedene hessische Tageszeitungen, der Landesbetrieb Hessen-Forst äußere Zweifel an der dort noch laufenden FSC-Zertifizierung. Die Zeitungen beriefen sich auf eine interne 50 seitige Studie, nach der das Ergebnis „vernichtend“ sei.

Weder ökologisch noch ökonomisch oder sozial seien signifikante Verbesserungen erkennbar. Dafür die FSC-Zertifizierung zu finanziellen und volkswirtschaftlich langfristig spürbaren negativen Effekten, wie die Bürstedter Zeitung aus der Studie zitiert.

Hintergrund sei das das FSC-Ziel, 5% der Waldfläche stillzulegen. Befürchtet werde eine Erhöhung des Anteils auf 10%, die zu großen Einnahmeausfällen für die FSC-zertifizierten Forstbetriebe führen würde. Schon jetzt schieße das Land 1,3 Mio. Euro jährlich zu. Weitere 800.000 Euro würden im Falle einer 10%-Stilllegung fällig.

Darüber hinaus widerspreche das FSC-Zertifikat einem Anbau der Douglasie, die in Forstkreisen vielfach als klimatoleranter Ersatz für die Fichte gesehen wird. Auch das sei wirtschaftlich wie auch hinsichtlich des Artenschutzes wenig sinnvoll, wird HessenForst zitiert.

Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) schlägt jetzt in die gleiche Kerbe und sagt, die Erkenntnisse des Landesbetriebs seien ein offenes Geheimnis in der Branche. Dadurch, dass FSC in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Maßstäbe hinsichtlich der Standards ansetze, entstünden dem Cluster Forst und Holz in Hessen sogar erhebliche Nachteile.

Auf Nachfrage von IHB-Fordaq wollte man allerdings bei HessenForst die Existenz einer solchen Studie nicht bestätigen. Es gebe zwar ein internes Diskussionspapier, das wohl unglücklicherweise nach außen gelangt sei, aber man sei keinesfalls auf Konfrontationskurs zum Ministerium. Die FSC-Zertifizierung werde zusammen mit dem Ministerium evaluiert.

Auch ein externes Gutachten, das die zuständige Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat, sieht man beim DeSH skeptisch: Ein externer Gutachter könne den komplexen Holzmarkt nur mit sehr fundierten Branchenkenntnissen richtig bewerten. Dazu gehörten beispielsweise die Auswirkungen der Forstwirtschaft auf die CO2-Bilanz oder die ungleichen FSC-Standards.

Für betroffene Unternehmer bedeute die Zertifizierung einen Mehraufwand, der kein höherer Preis entgegensteht, so der DeSH. Der Endkunde sei offensichtlich nicht bereit, den Zertifizierungs-Aufwand zu honorieren.

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